Piraten, Verbrecher und andere Heilige
Glaube und Aberglaube gehen auf La Réunion eine perfekte Symbiose ein. Alle großen Weltreligionen sind auf der kleinen Insel vertreten und man pflegt einen äußerst toleranten Umgang miteinander. Und Toleranz wird auch innerhalb der Auslegung der christlichen Religion geübt, wenn neben den offiziellen Heiligen auch durchaus ein paar komische "Heilige" regen Zuspruch finden.
An erster Stelle steht da Saint Expedit, ein Patron, der nie von der katholischen anerkannt wurde. Auch weiß heute niemand mehr genau, wie er überhaupt den Weg über's Wasser gefunden hat. Da nun ein Sklavenleben nicht nur das Heil im Jenseits erstrebt, sondern auch mit handfesten, ganz profanen Problemen zu kämpfen hat und just dieser Patron von allen Heiligen am schnellsten Lösungen liefert, erfreut er sich einer außerordentlichen Beliebtheit, von der zahllose Opferstöcke auf der ganzen Insel zeugen.
Wer als Christ jedoch bei ganz und gar unchristlichen Anliegen Hilfe sucht, der wendet sich auf La Réunion an Piraten, wie La Buse, den Bussard, oder aber an Sitarane. Am Grab dieses Massenmörders, brennen immer Kerzen und es stehen dort frische Blumen. Doch vor allem scheint sich dieser Halunke mit Schnaps und Tabak am besten bestechen zu lassen, weswegen davon immer reichlich als Opfergabe dargebracht wird.